Gewissen
Heute ist Samstag.

Gestern war Freitag. Ich hab nichts geschrieben.

Warum?

Ich hab nichts gemacht.

Hab ich ein schlechtes Gewissen?

Jein.

Normalerweise würde ich sagen: Es war Freitag. Ich hatte zu tun. Als ich um elf mit allem fertig war, hatte ich keine Lust mehr. Habe es vermisst, aber es war einfach zu spät.

Nun haben wir aber eine Abmachung: Jeden Tag mindestens eine Viertelstunde. Und ich habe gepatzt. Nicht einmal die Viertelstunde habe ich geschafft.
Aber vorbei ist vobei. Also muss ich da durch und mit meinem Gewissen klarkommen. Es geht auch, ehrlich gesagt.

Dafür heute den großen Ralf gemacht. Obwohl die Familie im Haus war. Sie waren artig und haben mich machen lassen. Ich war gut drauf, ansonsten unspektakulär.

Und nun pass mal auf. Später am Abend haben wir (Du weißt, wovon ich rede) ein bisschen Musik angemacht. Und ein bisschen rumgetanzt. Und dann wurde ich ein bisschen übermütig. Habe ein bisschen Yoga in mein Gehopse eingebaut. Wirklich nur so zum Spaß. Und dann... habe ich, einfach so zwischendurch, ne Runde im Baum rumgestanden. Zuerst war es noch Spaß. Bein angewinkelt, Fuß ans Knie, gestanden und dabei im Takt mit dem Hintern gewackelt. Und dann habe ich gemerkt, dass ich da steh wie ein Fels. Und bin stehen geblieben. Und stand und stand... keine Zitterpappel, kein Gewackele. Ich stand dann bestimmt drei Minuten und ich hab nur aufgehört, weil ich wieder tanzen wollte, nicht weil ich nicht mehr konnte.

Warum? Ich habe mich nicht darauf konzentriert. Ich war einfach in diesem Moment total entspannt und gelöst.

Die Erkenntnis des Tages, sicherlich die wichtigste bisher: Es ist nicht die Konzentration, es ist die Entspannung, die "es" ausmacht. Klar, die Yogis wussten das wahrscheinlich. Ich nicht. Ich lerne noch. Ich dachte, eins bedingt das andere. Stimmt aber nicht.

Trotzdem ist es sicherlich möglich, konzentriert entspannt zu werden. Und das möchte ich lernen.

Irgendwann.